Die Stille ist unsere Freundin,

trägt alles, was zu zart ist für Sprache -

trägt es von mir zu dir, von dir zu mir.




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So oft war ich ein großartiger Mensch in der Vergangenheit. Auf so viele Situationen blicke ich zurück voll Stolz auf den Menschen, der ich war. Meine Augen glänzen so oft und das Herz schlägt voll Wehmut im Gleichklang mit meinem früheren Selbst. Ich kann nachempfinden wer ich war. Ich liebe, wen ich damals im Spiegel sah.
Doch ich zerbreche, wenn ich den Blick heute wage.
Denn nichts habe ich aus der Vergangenheit gelernt. Kein einziger Fehler hat mich wirklich etwas gelehrt. Keine Schande hat wirklich eine Veränderung bewirkt. Unverändert bin ich seit Jahren schon. Und doch auch nicht mehr, wer ich damals war.
Unfähig, mich wirklich weiter zu entwickeln. Unfähig, wirklich zu lernen und über die Reue und das Versagen hinaus zu wachsen. Unfähig, den nächsten Schritt zu tun.
Stattdessen habe ich mich begraben. Es ist ein Totengesicht, dass mir nunmehr aus dem Spiegel entgegen starrt. Hab ich in der Hand auch Pinsel voller Farbe, werde ich dies nur schwerlich ändern können.
12.11.17 20:27


Den Bleistift in der Hand, eine Farbpalette nehmen mir. Vor mir ein weißes Blatt Papier. Ich starre darauf. Es wird größer mit jeder Minute. Tiefer. Lebendiger. Ein riesiges Nichts, das sich ausbreitet um mich herum und mich zu verschlingen droht. Ausstrecken muss ich meine Hand und eine Linie ziehen auf dem Blatt. Nur eine Linie. Eine einzige. Einen Anfang schaffen. Und dann Linie für Linie ein neues Bild zeichnen und mit Farbe und Leben füllen. Doch beginnen muss ich mit nichts weiter als einer einzigen Linie. Aber wo sie setzen auf diesem riesen großen Blatt Papier? Wo sie setzen in diesem weißen Nichts und dabei gewiss sein, das Bild nicht direkt zu ruinieren?
5.11.17 21:45


Es wird Zeit, die Leinwand zu tilgen. Das Terpentin zu nehmen in die Hand und über die Farbe zu gießen, auf dass es auslösche, was so lange war.
Es wird Zeit, ein weißes Blatt zu nehmen und einen Stift, und neu zu erschaffen, was noch nie gewesen ist.
30.10.17 21:44


Der Blick zurück über Jahr um Jahr zeigt mir doch stets das gleiche Bild. Jedes Jahr das gleiche Leid, der gleiche Kummer und doch nichts, das ich gelernt habe. Blind bin ich in meinem Wahnsinn. Furchtbar dumm in meiner Blindheit. Ein kleines Kind in meiner Dummheit. So wie ich das kleine Mädchen bin, so bin ich auch der Vogel. Selbst verschuldet sitze ich im Käfig hinter Gittern. Den Blick stets aus dem Fenster gewandt hinaus in den blauen Himmel. Die Freiheit ignorierend, die hinter der offenen Tür in meinem Rücken wartet. Zu sehr auf das Offensichtliche fokussiert, um die verborgenen Möglichkeiten zu sehen. Den Scheuklappen erlegen, die so lange schon meinen Weg bestimmen.
22.10.17 22:46


Der Blick auf mich selbst fällt mir nicht leicht. Der Spiegel hat Staub angesetzt, das Silber ist beschlagen. Zu lang ist es schon her, dass der Mut dafür vorhanden war. Zu schwach war lange Zeit mein Arm, als dass er hätte ein Poliertuch heben können. Zu groß die Furcht, was die Wahrheit ans Licht bringen möge.
Es gab einst Ruhe in mir und Frieden. Immer Kummer und Enttäuschung. Wut und Trauer. Hoffnung. So viel Liebe. Und Angst. Ich fühlte mich stets verloren und wusste doch genau, wer ich war. Was ich war. Am Leben. Neben allem anderen war ich doch stetes am Leben. Diese Gewissheit ist nun fort.
Ich laufe noch, bewege mich. Atme, rede, esse. Doch es fühlt sich hohl an. Ohne Sinn, ohne Ziel. Bloßes Tun, weil ich es muss. Weil man das so macht. Die Freude fehlt dabei. Die Freundschaft. Die Musik. Die Liebe und das Leben.
Schau ich jetzt in mich hinein, seh ich dort verbrannte Erde und tote Gärten. Ich sehe diese Drei, die soviel mehr sind als die bloße Ansicht offenbart. Sehe sie am Boden liegen Hand hin Hand, von Asche zugedeckt. Tot sind sie noch nicht, doch es fehlt nicht viel.
Hoffnung vergeht erst, wenn der letzte Atemzug getan. Doch es muss sich etwas ändern. Bald kenne ich mich selbst nicht mehr. Ich brauche diesen einen Blick, der die Sonne entflammt. Dieses eine gehauchte Wort, das Wind und Wasser mit sich trägt. Ich brauche diese eine Hand auf meiner Haut, die den Tod abstreift. Ich muss aufstehen und auf die Suche gehen.
7.10.17 20:17


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