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Zurück in seine Höhlen kriecht er, der Grauwolf. An den Küsten trieb er sich herum lange Zeit. Hat gesucht und gewartet, gefleht und geheult. Doch seine Geduld ist nicht unerschöpflich. Seinen Hunger muss er stillen, selbst wenn es bedeutet, ein anderes Opfer zu suchen. Er kehrt dem Wasser den Rücken, doch die Ohren hält er offen. Es wird ihm nicht entgehen, sollte ich das Land betreten.
Doch ich schwimme. Schwimme fort, nur fort. Um zu überleben.
4.6.17 00:28


Der Grauwolf treibt sich an der Küste um. Zu weit fort, dort draußen auf See bin ich, als dass ich ihn sehen könnte. Doch hören kann ich sein Heulen, rauh und heiser, durchdringend bis ins Mark. Und spüren kann ich ihn, wie er unruhig umherstreift an den Klippen, den Kopf gesenkt, das Fell im Nacken gesträubt, die Rute tief getragen, ungeduldig peitschend. Er wartet auf mich. Wartet auf die Flut, dass sie mich zu ihm trage. Und ich? Ich schwimme hinaus, versuche es, nur immer weiter hinaus. Das Land ist nicht mehr sicher. Lieber ertrinke ich, als dass ich in seine Fänge gerate.
In meiner Brust hallt jedes Heulen wider. Es schmerzt und klingt nach Sehnsucht.
3.5.17 19:41


Lange glaubte ich sie verschollen. Glaubte sie verloren und mit ihnen mein Selbst. Es scheint ein Verlust, der mir vorher bestimmt, erlebe ich ihn doch ein ums andere Mal. Es scheint, ich müsse sterben, innerlich, immer wieder, und beweisen, dass ich der Reinkarnation wert bin. Gefangen hat mich der Sog der Zeit, dieses übermächtige Jetzt, das keinen Raum lässt, inne zu halten und sich zu besinnen. Es ist die Ebbe, die mich hinaus zieht auf den Ozean, fern von jedem Land, jedem Halt, jeder Orientierung.
Doch ich habe es brüllen gehört. Nangini, dieses Tier in mir, ein Urinstinkt. Wo auch immer es weilt, hinter welchem Nebel es verborgen ist, welche Höhle auch immer es beschützt, es ist am Leben. Es ist hungrig und hat Blut geleckt. Wie vor Jahren einst gibt es diese eine Begierde, die es umtreibt, und die zu stillen es alles setzen wird.
Nun muss ich mehr denn je dem Sog widerstehen, muss austreten aus diesem wahnwitzigen Spiel und dem Jetzt den Rücken kehren. Ich setze freiwillig eine Runde aus, ohne Regeln kann ich nicht spielen. Das alles erlebte ich schon einmal. Es gab einen Ausweg.
Es gab Hilfe in mir. Vielleicht sind auch sie noch da, irgendwo in mir. Vielleicht. Wenn ich nur ganz genau hinhöre. Vielleicht sind sie noch da. Erneut treibe ich hilflos im Ozean. Ich brauche ihre Hilfe, um zu überleben. Um zurück zu kehren.
Über allem das Heulen eines einsamen Wolfes. Mein Herz singt voller Sehnsucht und bebt doch vor Furcht.
30.4.17 23:23


Draußen wird es langsam kalt und nass. Früh erlischt das Licht, der Mensch zieht sich zurück. In Häuser und warme Wohnungen. In die Arme von Geliebten. Zu der Wärme eines Haustierfelles. In die Tiefen seiner Selbst.
Noch warte ich auf den Frost, der mir doch immer Heilung war. Alle Sorgen friert er ein und alle Zweifel. Macht sie gläsern, immerdar, solange nur die Kälte währt. Der Frost gibt mir Zeit in einer Welt, die keine hat. Zeit, um zu erkennen. Zeit, um eine Lösung zu finden. Zeit, das Problem anzugehen. Dann, wenn ich dafür bereit bin, nicht, wann das Problem es gerne möchte.
Viele Menschen fürchten den Frost. Ziehen sich zurück vor ihm und flüchten sich in jede Wärme, die Trost und Rettung verspricht.
Doch sie haben nicht verstanden. Wärme ist erbarmungsloses Leben, ein rücksichtsloses Voran und nicht zurück. Wärme hat keinen Raum für Zweifel.
Der Frost dagegen hält die Zeit an. Es gibt keinen Grund, ihn zu fürchten.
Ich sehne den Tag herbei, an dem die kalte Wintersonne endlich wieder Rauhreif bestrahlt. Nie ist die Luft so klar als an einem klirrend kalten Morgen. Selten ist das Herz so frei als umgeben von Eis.
17.11.15 01:15


Was mir das wichtigste im Leben ist, fragte mich vor einiger Zeit jemand.
Meine Familie, dachte ich kurz. Vielleicht, weil es sich so gehört. Ich liebe meine Familie, doch das Leben ist endlich und es ist gut so. Tod gehört zum Leben dazu und ich kann ihn akzeptieren. Ich kann sie gehen lassen.
Meine Tiere, dachte ich kurz. Vielleicht, weil ich die Verantwortung für sie habe. Und es ist wahr, sie sind abhängig von mir und Sein ohne sie ist eine schwierige Vorstellung. Doch auch sie sind dem Tod unterworfen und werden eines Tages gehen mit all meiner Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit.
Mein Job, dachte ich kurz. Vielleicht, weil die meisten wachen Stunden meines Tages ich in Gedanken an ihn, in ihm, über ihn verbringe. Doch auch wenn er viel mehr über mich aussagt als mir lieb ist, so macht er mich nicht aus. Zwar empfinde ich ihn als Berufung, doch weiß ich, dass ich mein Glück nicht in ihm finden kann, und - wenn ich nur erst die Angst hinter mir gelassen hätte - ich ihn hinter mir lassen könnte genau für jenes.
Die Liebe, dachte ich kurz, ist sie doch, wonach wir uns alle sehnen, nicht wahr? Doch sie hat mich stets enttäuscht. Weiß ich überhaupt wie sie sich anfühlt in Gegenseitigkeit? In der Rückschau war sie doch stets nicht mehr als Lug und Trug. Auch sie bringt mir nicht mein Glück.
Lange habe ich über diese Frage nachgedacht und die richtige Antwort darauf. Ich weiß nicht, ob ich sie gefunden habe, ob es sie überhaupt als feste Größe gibt, oder ob sie sich nicht ändert und entwickelt zusammen mit dem Selbst. Doch ich bleibe immer wieder hängen an zwei Dingen.
Der Kontakt zu meinem Selbst. Ihn habe ich vor langer Zeit verloren und ich wünsche ihn mir schmerzlich zurück. Lange Jahre durfte ich ihn auf besondere Weise erfahren, durfte ihn erleben als verschiedene Charaktere, durfte ihn beobachten in meinem eigenen Seelengarten. Schloss ich die Augen, so lüftete sich der Nebel und ich konnte es vor mir sehen. Sah es, roch es, fühlte es, war es. Mein Selbst in so vielschichtiger Personifikation, dass es manchmal wirklich schwierig war, mich selbst zu verstehen, aber doch immer inspirierend, wahr und echt. Oftmals düster, doch immer von der Hoffnung beseelt. Blumen wuchsen und Städte wurden zerstört, Schiffe zerschellten im großen Sturm und meine Wesen gingen mir verloren. Ich weiß nicht, ob sie noch am Leben sind, oder ob mein Alltag sie verhungern ließ. Die Ungewissheit schmerzt und lässt mich leer zurück. Der Kontakt zu mir Selbst, er ist mir eines der wichtigsten. Eines Tages werde ich die Türen wieder öffnen, wird der Nebel sich verzogen haben, wird er wieder vor mir liegen, mein Seelengarten, mit all dem Leben in ihm.
Freiheit. Freiheit ist gleichermaßen etwas, das noch vor mir liegt und vielleicht auch sehr lang zurück. In meiner Kindheit muss ich frei gewesen sein, ich erinnere es nur nicht mehr. Der Rückblick zeigt mich stets in Ketten. Gebrochene Fesseln wollte ich einst sichtbar tragen, um mir täglich vor Augen zu führen, dass sie nicht echt sind. Doch es wäre eine Lüge gewesen. Noch sind sie da. Noch bin ich gekettet an die Furcht und an den Buntfalken. Seinetwegen steuere ich das Schiff vor jede Klippe, seinetwegen stürze ich mich in jeden Abhang. Seinetwegen hänge ich an der Angst. Oder wegen der Angst an ihm? Es wird der Tag kommen, an dem ich frei bin von ihm und von der Angst. Der Tag, an dem ich sein kann ohne Fesseln. Freiheit ist mir eines der wichtigsten.
12.6.14 22:38


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