Die Stille ist unsere Freundin,

trägt alles, was zu zart ist für Sprache -

trägt es von mir zu dir, von dir zu mir.




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Sie sind noch dort draußen, die Flüche der Vergangenheit. Der schwarze Fleck und alle, die ihm glichen. Die Narben sind noch da auf meinem Herzen, die sie hinterließen. Sie sind hart und unbeweglich, sie zwicken und spannen bei jedem Schlag. Ich bin den Schmerz so sehr gewohnt, dass ich seiner kaum mehr gewahr bin.
Nur in den Stunden der Nacht, wenn die Welt zur Ruhe kommt und meine Gedanken, wenn endlich Zeit ist nur für mich und der Alltag sich schlafen legt, erst in der Stille der Dunkelheit kann ich es wieder fühlen. Dann kann ich sie alle wieder sehen, hören, spüren. Erst dann fühle ich mich wieder echt, wenn ihre Wärme mich umgibt. Nur in den Stunden der Nacht.
Die Vergangenheit bindet mich. Doch ohne sie bin ich verloren. Ich bin verflucht, so lange schon, dass ich nicht weiß, wer ich ohne bin. Wer ich bin, wenn ich sie vergesse.
1.10.17 02:11


Zurück in seine Höhlen kriecht er, der Grauwolf. An den Küsten trieb er sich herum lange Zeit. Hat gesucht und gewartet, gefleht und geheult. Doch seine Geduld ist nicht unerschöpflich. Seinen Hunger muss er stillen, selbst wenn es bedeutet, ein anderes Opfer zu suchen. Er kehrt dem Wasser den Rücken, doch die Ohren hält er offen. Es wird ihm nicht entgehen, sollte ich das Land betreten.
Doch ich schwimme. Schwimme fort, nur fort. Um zu überleben.
4.6.17 00:28


Der Grauwolf treibt sich an der Küste um. Zu weit fort, dort draußen auf See bin ich, als dass ich ihn sehen könnte. Doch hören kann ich sein Heulen, rauh und heiser, durchdringend bis ins Mark. Und spüren kann ich ihn, wie er unruhig umherstreift an den Klippen, den Kopf gesenkt, das Fell im Nacken gesträubt, die Rute tief getragen, ungeduldig peitschend. Er wartet auf mich. Wartet auf die Flut, dass sie mich zu ihm trage. Und ich? Ich schwimme hinaus, versuche es, nur immer weiter hinaus. Das Land ist nicht mehr sicher. Lieber ertrinke ich, als dass ich in seine Fänge gerate.
In meiner Brust hallt jedes Heulen wider. Es schmerzt und klingt nach Sehnsucht.
3.5.17 19:41


Lange glaubte ich sie verschollen. Glaubte sie verloren und mit ihnen mein Selbst. Es scheint ein Verlust, der mir vorher bestimmt, erlebe ich ihn doch ein ums andere Mal. Es scheint, ich müsse sterben, innerlich, immer wieder, und beweisen, dass ich der Reinkarnation wert bin. Gefangen hat mich der Sog der Zeit, dieses übermächtige Jetzt, das keinen Raum lässt, inne zu halten und sich zu besinnen. Es ist die Ebbe, die mich hinaus zieht auf den Ozean, fern von jedem Land, jedem Halt, jeder Orientierung.
Doch ich habe es brüllen gehört. Nangini, dieses Tier in mir, ein Urinstinkt. Wo auch immer es weilt, hinter welchem Nebel es verborgen ist, welche Höhle auch immer es beschützt, es ist am Leben. Es ist hungrig und hat Blut geleckt. Wie vor Jahren einst gibt es diese eine Begierde, die es umtreibt, und die zu stillen es alles setzen wird.
Nun muss ich mehr denn je dem Sog widerstehen, muss austreten aus diesem wahnwitzigen Spiel und dem Jetzt den Rücken kehren. Ich setze freiwillig eine Runde aus, ohne Regeln kann ich nicht spielen. Das alles erlebte ich schon einmal. Es gab einen Ausweg.
Es gab Hilfe in mir. Vielleicht sind auch sie noch da, irgendwo in mir. Vielleicht. Wenn ich nur ganz genau hinhöre. Vielleicht sind sie noch da. Erneut treibe ich hilflos im Ozean. Ich brauche ihre Hilfe, um zu überleben. Um zurück zu kehren.
Über allem das Heulen eines einsamen Wolfes. Mein Herz singt voller Sehnsucht und bebt doch vor Furcht.
30.4.17 23:23


Draußen wird es langsam kalt und nass. Früh erlischt das Licht, der Mensch zieht sich zurück. In Häuser und warme Wohnungen. In die Arme von Geliebten. Zu der Wärme eines Haustierfelles. In die Tiefen seiner Selbst.
Noch warte ich auf den Frost, der mir doch immer Heilung war. Alle Sorgen friert er ein und alle Zweifel. Macht sie gläsern, immerdar, solange nur die Kälte währt. Der Frost gibt mir Zeit in einer Welt, die keine hat. Zeit, um zu erkennen. Zeit, um eine Lösung zu finden. Zeit, das Problem anzugehen. Dann, wenn ich dafür bereit bin, nicht, wann das Problem es gerne möchte.
Viele Menschen fürchten den Frost. Ziehen sich zurück vor ihm und flüchten sich in jede Wärme, die Trost und Rettung verspricht.
Doch sie haben nicht verstanden. Wärme ist erbarmungsloses Leben, ein rücksichtsloses Voran und nicht zurück. Wärme hat keinen Raum für Zweifel.
Der Frost dagegen hält die Zeit an. Es gibt keinen Grund, ihn zu fürchten.
Ich sehne den Tag herbei, an dem die kalte Wintersonne endlich wieder Rauhreif bestrahlt. Nie ist die Luft so klar als an einem klirrend kalten Morgen. Selten ist das Herz so frei als umgeben von Eis.
17.11.15 01:15


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